“Türkei im deutschen Fernsehen blamiert”

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Hin und wieder kritisieren wir den deutschen Fernsehsender RTL für eine unfaire Berichterstattung über die Türkei und den Türkeitourismus (vgl: http://www.tourexpi.com/de-tr/news.html~nid=10126).
Das soll jedoch keinesfalls heißen, daß man dort nicht auch korrekt berichtet. Das sieht auch die türkische Tageszeitung Hürriyet so: Ihr Autor Cengiz Semercioglu bedauert, was dort gestern zu sehen war. In unkommentierter Übersetzung…
Wie die Türkei im deutschen Fernsehen blamiert wurde
Cengiz Semercioglu
In der RTL-Sendung Extra – Das RTL-Magazin, die am Montag ausgestrahlt wurde, wurden eine türkische und eine deutsche Frau in den Urlaub in die Türkei geschickt und anschließend ihre Erlebnisse mit versteckter Kamera aufgezeichnet. Die beiden Frauen gingen in fünf verschiedene Geschäfte und mußten Folgendes erleben…

1. Im Fastfood-Restaurant
Hier wurden die offen an der Wand hängenden Preise der türkischen Frau in Lira, der deutschen jedoch in Euro berechnet. Das heißt, die Türkin aß den Hamburger für 6 Lira, die Deutsche für 6 Euro.

Dabei verhielt es sich noch dazu um eine bekannte Fastfood-Kette, das konnte man erkennen, obwohl der Markenname unkenntlich gemacht wurde.

Als dann die Kamerateams kamen, liefen die Verkäufer erst aufgeregt hin und her, dann kam ein Vorgesetzter und sagte unverfroren, die Preise, die man der Deutschen berechnet habe, seien nicht teuer.

2. Im Taxi
Die beiden Frauen unterschiedlicher Herkunft bestiegen das Taxi an derselben Stelle und ließen sich zum gleichen Ort fahren. Die Türkin bezahlte 20 Euro, die Deutsche 30.
Das Kamerateam spürte den Taxifahrer auf und fragte ihn, woher der Unterschied rühre. Der Taxifahrer wollte sich herausreden, es sei zu einem Mißverständnis gekommen, weshalb der Weg länger geworden sei. Später stellte sich heraus, daß er den Nachttarif eingeschaltet hatte.

3. Im Geschäft
Beide Frauen kaufen dieselbe Tasche. Die Deutsche bezahlt 70 Euro, die Türkin 30. Beides wird mit versteckter Kamera aufgezeichnet. Als die Kamerateams die Verkäufer zur Rede stellen, entschuldigen diese sich und händigen der Deutschen 40 Euro aus.

4. Beim Juwelier
Die deutsche Reporterin kauft eine Halskette für 170 Euro. Nach ihr betritt die türkische Reporterin das Geschäft und ersteht das gleiche Halsband für 130 Euro. Zur Rede gestellt, beginnt der Verkäufer zu schreien: „Wir leben in einer freien Markwirtschaft, und ich verkaufe meine Ware zu dem Preis, den ich will, was geht Sie das an, da können Sie sich gar nicht einmischen…“

5. Im Restaurant
Beide Frauen essen das gleiche Essen im Restaurant, Vorspeisen, Hauptspeise, etc. Und jetzt kommt es: Beide erhalten den gleichen Rechnungsbetrag! Darauf angesprochen, antwortet der Restaurantbesitzer: „Für mich sind alle Menschen gleich, egal welche Sprache sie sprechen, welcher Religion oder Rasse sie angehören. Jeder Kunde zahlt für dieselben Leistung den gleichen Preis.“
Ich war vielleicht erleichtert, als endlich auch einmal ein ehrlicher Verkäufer zu sehen war. Was ich hier wiedergegeben habe, war Montag abend in dieser Reihenfolge bei RTL zu sehen. Zwischen jedem Abschnitt konnte man die türkische Fahne und Ansichten von türkischen Stränden sehen. Am Ende wurde eine Gesamtrechnung aufgestellt, bei der die Ausgaben der Deutschen ca. 108 bis 110 Euro über denjenigen der Türkin zu liegen kam…

Kurz und gut: Die Botschaft lautete: „Diese Türken betrügen uns“.

Da kann man in Deutschland so viel Tourismusreklame machen, wie man will, doch kann man damit das Image der „betrügerischen Türken“ aus der Welt schaffen, das in den Köpfen von Millionen von Zuschauern von RTL in Deutschland geschaffen wurde?

Einerseits sind wir ein günstiges Urlaubsland durch „Alles Inklusive“, andererseits als Betrüger bekannt.

Und dann werden wir auch noch auf diese Weise bloßgestellt.
Keiner von uns hat gelernt, wie man Tourismus gestalten muß, weder unsere Gewerbetreibenden, noch unsere Hoteliers, das ist es, was mir so zu schaffen macht…

Daß Cengiz Semercioglu bei der Hürriyet mit seinem Entsetzen angesichts solcher Vorfälle nicht alleine steht, beweisen viele Leserkommentare in der Hürriyet. Wir fanden aber auch andere Meinungen so interessant, daß wir sie hier prästentieren wollten:

Kaaner Yilmaz:
Ich habe schon oft genug auf solche Vorfälle hingewiesen und bin der Meinung, daß die Stadtverwaltungen kontrollieren müssen, daß die Preislisten an den Eingängen der Geschäfte aufgehangen werden. 90 Prozent der türkischen Händler machen sowas, nicht nur mit Touristen.

Und Leser Hakan G:
Das ist sicher alles richtig, und man ist noch gnädig mit uns umgegangen. Da man die Touristen wie zu rupfenden Gänse ansieht und den Profit von 10 Verkäufen bei einem Verkauf erlangen will, verkauft man nachher gar nichts mehr und beklagt sich dann. Wenn ich unseren Gästen aus dem Ausland etwas rate, dann, daß sie bei Taxis aufpassen und nicht einkaufen gehen sollen. Das Fastfood-Restaurant hat mich aber überrascht.

Ozak Toka:
Und dann loben wir uns immer selbst, wie gastfreundlich wir Türken doch sind. Das ist doch Unsinn, es kommt darauf an, jeden Menschen gleich zu behandeln.

Murat Çiçek:
Und was ist mit den Museen, die ja staatlich betrieben werden. 5 YTL Eintritt für Einheimische, 5 Euro für Touristen. Wie wollen wir das bloß rechtfertigen?

Der Leser mit dem Nickname
Dogru Söyleyen:
Daß das ständig gemacht wird ist doch allseits bekannt. Die Urlaubsgäste haben sich darauf eingestellt, machen Urlaub „all inclusive“ und verlassen das Hotel so selten wie möglich. Und danach beschweren sich die Händler, daß sie nicht von Touristen besucht werden. Die haben sich längst den Ast abgesägt, auf dem sie einst saßen! Sie sind ganz einfach selbst schuld an ihrer Misere!

Die Leserin Özlem Legat:
Ich bin mit einem Ausländer verheiratet, und wann immer wir in die Türkei kommen, passiert uns Ähnliches. Da wir nicht Türkisch sprechen, halten sie auch mich für eine Ausländerin und wollen uns sofort betrügen. Wenn ich dann mit dem Verkäufer Türkisch zu sprechen beginne, entschuldigt er sich und der Preis ist gleich um die Hälfte niedriger L

Yildirim Kemal Pervane:
Zum ersten Mal habe ich mich so sehr dafür geschämt, Türke zu sein. Das ist doch eine Schande. Diese Leute sollte man alle einsperren!

Hasan Bozkurt:
Diese Kontrolle zeigt deutlich wie ein Spiegel wie es um unsere Menschen und unser Land bestellt ist. Es ist doch nicht wichtig, welchem Glauben oder welcher Rasse man angehört, man muß menschlich sein. Aber wenn man uns fragt, sind wir immer die Besten und die Frömmsten…

Ali Balli:
Man hat uns genau so dargestellt, wie wir eben sind. Was ist da schon dabei? Jetzt wird es wieder welche gegen, die von einem Komplott gegen uns sprechen, aber das ist doch alles ganz normal… Dem Restaurantbesitzer muß man gratulieren.
Es wäre aber auch mal schön, wenn RTL die Preise vergleichen würde, die Gäste aus dem Ausland in der Türkei für Hotels zahlen, und was wir dafür zahlen. Da liegt die Sache anders herum. Da werden wir ausgenommen…

Sinan Vural:
Was wir am nötigsten haben, wäre Schamgefühl.

Tayfon Kasikçilar:
Ja glaubt Ihr denn, das wäre in Italien, Griechenland, der Tschechischen Republik oder in Rumänien anders? Geht doch mal nach Italien und schaut Euch an, was da passiert. Da kostet ein kleines Wasser 3 Euro, und der Einheimische bekommt es für 50 Cent, und das alles ganz offen…

Hasan Sonok:
Da haben die Deutschen uns den Spiegel vorgehalten. Diese Sendung müßte ohne Unterbrechung auf allen Kanälen der Türkei gesendet werden, so daß sie jeder sehen muß. Damit wir mal merken, daß die Behauptung, wir seien ehrlich, ehrenhaft und würden niemanden betrügen, nicht stimmt.

Orhan Kurt:
Ich arbeite seit 17 Jahren als Juwelier, und leider stoßen wir oft auf solche Fälle. Ich war immer ein ehrlicher Verkäufer, deshalb habe ich viele deutsche Kunden. Den Händlern geht es schlecht, die Mieten sind viel zu hoch.

Nisan Yagmur:
Schön und gut, aber schickt doch mal eine türkische und eine deutsche Frau nach Deutschland, und dann wollen wir mal sehen, wer sich schändlicher verhält. Als jemand, der in Deutschland lebt, habe ich auch so meine negativen Erfahrungen. Die Deutschen kritisieren gerne, aber damit könnten sie ruhig auch mal bei sich selbst anfangen…

Sadi Yilmaz:
Okay, das wird schon stimmen, und man wünschte sich natürlich, daß immer dieselben Preise angewandt würden. Aber wer ins Ausland fährt, kann überall auf solche Dinge stoßen. Wenn man nach Italien, Frankreich, Spanien oder sogar nach Amerika reist, merkt man, daß solche Dinge vor allem in Entwicklungsländern noch schlimmer sind als in der Türkei.

Hakan Sari:
Ich lebe seit 20 Jahren in Deutschland und ich habe es nicht ein einziges Mal erlebt, daß ein Deutscher mich oder einen Landsmann betrogen hätte. Deshalb schäme ich mich. Wegen einem Profit von 30 Euro werden jetzt Tausende von Deutschen nicht in die Türkei fahren. Dem Restaurantbesitzer meinen Respekt!

Dorukhan Ates:
Da beschweren sich die Händler im Süden, daß ihnen das System „all inclusive“ schade. Warum sollten die Touristen unter diesen Bedingungen etwas einkaufen wollen?

Da müßte man doch an ihren Geistesgaben zweifeln. Und wir jammern nur immer und beklagen uns. Anstatt einmal in den Spiegel zu schauen…
quelle:tourexpi / turizmdebusabah

2 Responses to ““Türkei im deutschen Fernsehen blamiert””

  1. 1
    Rolf Reinhardt Says:

    Zum Thema Betrug an deutschen Urlaubern kann ich folgendee Story beifügen, die meiner Familie anlässlich eines Ferien-Auftenthalts im Club Voyage Sorgun passierte und die Anlass für das folgende Fax an den Club war.

    Rolf Reinhardt; Aufenthalt in Ihrem Club vom 19.8.-2.9.2008 – Zimmer Nr. 2040; Kranken-hausaufenthalt meines Sohes im Sevgi Hastanesi vom 29.8.08 – 1.9.08

    Sehr geehrter Damen und Herren,

    im Rahmen unseres Urlaubs bei Ihnen musste unser Sohn – 11 Jahr alt – wegen einer akuten Blinddarmentzündung im Krankenhaus Sevgi Hastanesi in Side operiert werden. Die Einweisung dahin erfolgte durch Ihren Clubarzt.

    Die Operation ist fachlich einwandfrei erfolgt und man hat als Bedingung für die Entlassung die Bezahlung des Honorars von rd. € 4.900 gestellt.

    Dieser Betrag wurde auch gezahlt und mein Verlangen nach der Rechnung wurde von einem freundlichen aber mit falscher Zunge redenden Übersetzer Ali mit dem Hinweis quittiert, diese sei noch nicht geschrieben und würde am Abend des Entlassungstags in den Club gebracht. Diese Zusage wurde aber nicht eingehalten, was mich zu einem Anruf in der Klinik veranlasste, in dem ich als letzten Termin für die Vorlage der Rechnung den nächsten Tag - 9 Uhr - nannte.

    An diesem nächsten Tag – das war der Tag unserer Abreise – kam ein weiterer Anruf der Klinik mit der Zusage an die Rezeption des Clubs, die Rechnung bis spätestens 12 Uhr in den Club zu bringen.

    Offensichtlich hatte man von Seiten des Clubs der Klinik mitgeteilt, dass wir um 14 Uhr diees Tages unseren Transit zum Flughafen haben werden. Die Zusage der Klinik sollte damit nur verhindern, dass wir am Morgen unserer Abreise in Side noch entsprechend aktiv werden, was natürlich nach erfolglosem Verstreichen des Liefertermins für die Rechnung um 12 Uhr nicht mehr möglich war.

    Ein schändliches und unwürdiges Spiel, das hier mit Urlaubern gespielt wurde und das selbst auf einem türkischen Basar nicht seines Gleichen finden dürfte.

    Was die angeführten Zusagen für einen Wert hatten, wurde dann nach unserer Rückkehr nach Deutschland nochmals deutlich. Dann wurde nämlgich in einem Telefongespräch mit der Klinik die Auskunft erteilt, ich erhielte die Rechnung dann zugestellt, wenn ich nach-weisen könnte, dass der Rechnungsbetrag auf meinem Konto belastet sei. Also waren alle Zusagen in der Zeit unseres Aufenthalts In Ihrer Anlage, die Rechnung zuzustellen, nichts anderes als Lügen.

    Den geforderten Nachweis der Belastung der Rechnung auf meinem Konto habe ich sofort per Fax gegenüber dem Krankenhaus geführt.

    Dies führte dann aber erwartungsgemäß auch nicht zu Zustellung der Rechnung. Eine nochmalige telefonische Rückfrage – nach etwa 10 Tagen - wegen der Rechnung führte zu einer erstaunten Redaktion des bereits angeführten Lügners „Ali“: „Was, die haben Sie noch nicht, dann müsse man diese eben nochmals aus dem Archiv holen und mir zu-stellen.“

    Meine Aufforderung im Rahmen dieses Gespräches, die Rechnung bis zum Abend dieses Tages mir zuzufaxen, blieb dann wieder erwartungsgemäß ohne Ergebnis. Meine Schluss-folgerung habe ich dann der Klinik zugefaxt – siehe anbei. Und die in diesem Fax be-zeichneten Schritte habe ich zwischenzeitlich auch in die Wege geleitet.

    Da auch Sie in diesem schändlichen Spiel mit den Ängsten von Urlaubern um die Gesundheit Ihrer Angehörigen eine zumindest zwielichtige Rolle spielen, will ich Ihnen mit diesem Fax den Spiegel mit der Frage vorhalten, ob Sie sich darin noch erkennen können? Jedenfalls gratuliere Ihnen zu Ihren Geschäftspartnern, hier der von Ihnen empfohlenen Klinik.

    Ich komme seit mehr als 20 Jahr als Urlauber in die Türkei und stelle nunmehr fest, dass es das vormals so gastfreundliche Land nicht mehr gibt. Ich werde dieses Land nicht mehr betreten und im Rahmen der mir gegebenen Möglichkeiten für eine „adäquate Werbung“ für Reisen in das vormals so gastfreundliche Land – Türkei – sorgen.

    Ich habe Mitleid mit Ihnen, das meine Enttäuschung um ein Vielfaches übersteigt.

    Anmerkung zum Schluss:

    Die mir in Side mit rd. € 4.900 berechnete Blinddarmoperation für meinen Sohn kostet im “Niedriglohnland Deutschland” rd. € 2.100. Das als Beitrag zur Sendung des RTL und als weiteren Beleg für den Umgang unserer “türkischen Freunde” mit uns Deutschen. Gott bewahre, dass so ein Land Zugang zur Europäischen Gemeinschaft findet. Man muss dieses Land einfach nur noch meiden.

  2. 2
    derya blume Says:

    tja komisch das man immer die Türkei zeigt? es ist doch in jedem Land gleich ob İtalien Polen Griechenland Spanien Rumaenien oder sonst wo.Als tourist zahlt man halt mehr ich glaube jeder weis das auch. Also ich finde es nicht schlimm jeder kann ja handeln wenn er will..

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Webmaster: Yiğit Demirel

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