FAS/ In den letzten Wochen konnte man immer wieder - im Fernsehen wie in den Zeitungen oder Journalen - von den ungerechten Managergehältern lesen. Was wurde da alles schwadroniert. Von Seiten der Gewerkschaften war das Geschrei laut, die SPD tat sich hervor, mancher Politiker sprang auf den Zug der Ungerechtigkeit auf - kurz, alle trommelten auf der gleichen Stelle.
Was für eine Heuchelei und welche systematische Falschinformation, nur um den Neid zu beflügeln und zu zeigen, wie man doch an die armen Mitbürger und die Rentner denkt. Zunächst stelle ich fest, dass die am lautesten schreien, die selbst ‚nicht schlecht’ verdienen. ‚Nicht schlecht’ ist ein dehnbarer Begriff, aber ich denke, dass ein Nettoeinkommen so um die 5000 Euro als nicht schlecht zu bezeichnen ist, und die Politiker und Gewerkschafter verdienen mehr. Aber betrachten wir die Systematik einer Gehaltsfindung. Braucht ein Unternehmen einen Hausmeister, dann fragt das Management - also der oder die Chefs - sich, wie viel man wohl ausgeben müsste, um einen entsprechend qualifizierten Mann zu finden.
Eine oder mehrere Anzeigen werden geschaltet, wenn es gut läuft, auch das Arbeitsamt
angesprochen und man hofft, den entsprechenden Mann zu finden. Die Höhe des Gehaltes liegt in etwa fest und kann allenfalls bei guter Qualifikation noch etwas höher sein. Der am besten scheinende Kandidat bekommt ein Vertragsangebot und wenn er einschlägt, wird er eingestellt.
Wie läuft so etwas bei Unternehmensführern? Zunächst stellt der Eigentümer des Unternehmens fest, dass er ‚den Chef’ braucht. Er beauftragt den berühmten Headhunter - also eine Personalberatungsfirma oder einen Einzelkämpfer, den geeigneten Kandidaten zu finden - ohne genau zu wissen, was der wohl kosten könnte oder verlangen wird. Bei aktienbasierten meist börsennotierten Unternehmen gibt es den einzelnen Eigentümer nicht, es sind eine Vielzahl von Eigentümern, denen die Aktien und damit das Unternehmen gehören. Diese Eigentümer haben auf einer Hauptversammlung unter anderem den Aufsichtsrat gewählt, damit dieser die Interessen der Eigentümer vertritt und das Management kontrolliert. Dieser Aufsichtsrat hat unter anderem die Aufgabe, das geeignete Management zu finden und mit Vertrag einzustellen. In diesen Aufsichtsrat sollen erfahrene und kompetente Menschen gewählt werden, so dass ihnen diese Aufgabe nicht schwer fallen dürfte.
Da es in Deutschland auch noch die Mitbestimmung auf gesetzlicher Grundlage gibt, sitzen in diesem Aufsichtsrat nicht nur die Vertreter des Kapitals, also der Eigentümer, sondern auch in gleicher Anzahl die Vertreter der Arbeitnehmer - meist sind es die Mitglieder des Betriebsrats. In den großen Unternehmen trauen die Gewerkschaften dem Betriebsrat offensichtlich nicht sehr viel zu und nominieren lieber die ‚Großkopferten’ ihrer Gewerkschaft. Die Aufsichtsratsmitglieder erhalten für ihre Arbeit eine zu versteuernde Vergütung, die in großen Unternehmen eben auch groß ist. Dieses Gremium sucht nun den neuen Chef… Was für ein Tohuwabohu… Also wird aus dem Aufsichtsrat eine kleine Gruppe gebildet, die sich dieser Aufgabe unterzieht, meist sind es drei Personen. Sie verhandeln im Auftrage des Aufsichtsrates mit den Kandidaten und offerieren einen Vertrag, dessen Bestandteile wie auf dem Basar im Einzelnen festgelegt werden. Umso erfahrener die beiden Seiten sind, umso mehr Einzelheiten tauchen in den Verträgen auf. Es ist also eine Frage der Erfahrung auf beiden Seiten des Tisches, was in einen solchen Vertrag aufgenommen werden muss oder soll oder in gar keinem Fall auftauchen darf.
Grundsätzlich sind solche Verträge Zeitverträge mit maximaler Laufzeit von fünf Jahren. Beide Seiten sind für die Dauer des Vertrages fest aneinander gebunden. Die Verträge verlängern sich nicht automatisch.
Nun stellen Sie sich bitte vor, sie wären der Kandidat. Sind Sie erfolgreich, wird man Ihnen die Verlängerung anbieten, sind Sie es nicht, war das Ihr Ausflug ins Management - denn als Verlierer werden sie wohl kaum einen vergleichbaren Platz finden. Das bedeutet, dass Sie sich für die Zukunft absichern müssen, mit Abfindung, mit Bezahlung auch wenn Sie nicht arbeiten, mit Büro etc. Denn später werden Sie gar nichts oder wesentlich weniger verdienen. Sie glauben mir nicht? Wo sind denn Herr Schrempp oder Ron Sommer oder andere geblieben - die Überflieger sind längst gelandet und verstauben wie ein altes Auto in irgendeinem Schuppen… Und Erfolg heißt sehr häufig Glück, das die Großen verlassen hat. Sie müssen also im schlechtesten Fall das Geld aus Ihrem Vertrag in den nächsten 5 Jahren für die nächsten 15 Jahre verdienen…
Der Plan der Politiker, Abfindungen nur bis zu einer bestimmten Höhe als abzugsfähige Kosten im Unternehmen gelten zu lassen, ist absurd und populistisch, denn der Empfänger versteuert diese Abfindung als Einkommen genauso wie sein monatliches Einkommen, das ja nicht steuerfrei ist. Und die teuren Dienstwagen sichern die Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie. Was die Politiker Ihnen nicht sagen, ist, dass die Steuerart sich verschiebt von Gewinnsteuern hin zu Einkommensteuer und der Empfänger sitzt im Staat in einer anderen Abteilung - das ist aber nicht Schuld der Unternehmen, sondern des Staates.
Wenn man die Einkommen unserer Manager als zu hoch empfindet, dann sollte man als Arbeitnehmer seinen Vertreter im Aufsichtsrat entsprechend ‚einnorden’, als Kapitaleigner geht man zur Hauptversammlung und wählt einen anderen Aufsichtsrat. Aber bedenken Sie: Neid war noch nie ein guter Ratgeber…
FAS




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