Schildbürgerstreiche

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FAS/ Man sollte als Gast den Gastgeber nicht brüskieren - so jedenfalls haben wir es von unseren Eltern gelernt. Aber manchmal juckt es denn doch in den Fingern, wenn der Gastgeber so total über das Ziel hinausschießt. Sie ahnen vielleicht schon, was ich meine…
Der ‚Flughafen Gazipascha’ ist in den Gazetten schon eine ganze Weile Gesprächsstoff und unter den heimischen Türken wie Ausländern ein immer wieder ‚durchgekautes’ Thema.

Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Ganz in der Nähe zu Alanya steht er schon - das war 2004, als wir das erste Mal nach 35 Jahren wieder in Alanya waren. Na, dann kann es nicht mehr lange dauern, bis er eröffnet wird. Und dann wurde uns immer wieder erzählt, dass es nur am potenten Betreiber des Flughafens fehle, der noch gesucht würde.

Wir habe damals uns ein wenig umgesehen und festgestellt, dass Gazipaschas Flugplatz nun wirklich nicht das Zeug zum großen Touristenumschlagplatz hatte, weil der Anflug vom Meer auf die Berge in uns ganze Erinnerungsstürme hervorrief. Da war zunächst die Erinnerung, das wir vom Schlafzimmerfenster unsere Hauses in der Nähe von Frankfurt genau in die Triebwerke der startenden Flugzeuge auf der Startbahn West sehen konnten, und daher ein Zeitgefühl entwickelten, wie lange es dauert, bis eine Maschine abhebt und wie nahe sie über den Bäumen flog. Erinnerungen an einen ‚Flugplatz’ auf Venezuelas vorgelagerten Inseln, der 1200 m lang war, und den daher nur kleine Bombardier-Flugzeuge mit 12 bis 18 Passagieren anfliegen konnten oder die 50 Jahre alten DC 9 der venezolanischen Fluggesellschaft, die bei 120 km/h bereits abheben. Aber auch die Erinnerung an einen Aufenthalt im Flugsimulator der Lufthansa am Frankfurter Flughafen, den meine Frau nutzte, um die von ihr gesteuerte Boeing 707 im Anflug auf Hongkong beim Aufsetzen zu verschrotten, weil die Berge, auf die sie zuflog, so rasend schnell näher kamen…
Auch einige Flugplätze in Afrika fielen uns wieder ein, wie Sansibar und der Flugplatz von Kassel-Calden und Tempelhof in Berlin, der ja gerade jetzt in aller Munde ist. Alle diese Flugplätze haben Platzprobleme, insbesondere, was die Einflugschneisen und die Start- und Landebahnen anging. Man musste also kein Experte sein, um zu merken, dass am Flughafen Gazipascha Schildbürger am Werke waren. Ich kann auch nicht verstehen, dass ein Flugplatz geplant wird, ohne dass sich irgendwer von den Geldgebern auch nur einen Gedanken über den Betrieb gemacht haben soll. Mich erinnert dies fatal an Süditalien, wo Camorra und Mafia das Entwicklungsgeld schluckten.

Warum werden die damaligen Verantwortlichen nicht befragt? Wo sind die Berechnungen über mögliche Passagiere, über technische Voraussetzungen eines Flugbetriebes, über Anzahl notwendiger Stellplätze für Flugzeuge, Parkplätze für Autos usw.? Investitionsruinen gibt es genug in dieser Gegend - denken Sie nur an Kestels Bürgermeisterruine. Da lese ich von angedachten Jachthäfen in Alanya und Gazipascha - keiner derer, die da dachten, hat sich je mit einem Wassersportler unterhalten, sonst wüssten sie, dass ein Jachthafen von diesen nicht angenommen würde, weil Alanya eine ‚langweilige’ Küste hat, es gibt keine vorgelagerten Inseln und keine kleinen Buchten, die das Ansteuern lohnen würden und es gibt zu wenig Wind. Wann haben sie hier schon mal Surfer über das Wasser zischen sehen? Also schminken sie sich einen funktionierenden Hafen ab. Es ist schon Wunder genug, das israelische Kreuzfahrtschiffe in Alanya anlegen und wir sollten uns darüber freuen. Und zum Segeln kann man ja nach Marmaris fahren…
Nun warte ich gespannt auf das nächste ‚Schilda’ im Zusammenhang mit dem Staudamm am Dimcay…

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