Die lebensfrohe Rheinländerin ist gestorben

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Kommentar
Noch im Februar dieses Jahres besuchten der Alanya-Bote und Andreas Hodapp vom WDR Köln Ingrid M. an ihrem Krankenlager in einem hiesigen Privat-Krankenhaus. Als lebenserhaltende Notwendigkeit musste sie sich der Amputation ihres linken Beines unter dem Kniegelenk unterziehen.


Pfarrer Joachim Kusch ließ nach seinem Besuch wissen, mit welchem Gleichmut, sogar mit Frohsinn, das Gespräch mit ihr verlaufen sei. “Wir haben sogar viel miteinander gelacht!”

So war es auch. Die Gepeinigte, obendrein leidend an einem sehr schmerzhaften Dekubitus, erworben durch langes Liegenmüssen, fand immer noch das Positive ihrer Situation und es war durchaus kein grimmiger Galgenhumor. “Mit einem Bein kann ich leben, davon gibt es ja zwei. Ohne Kopf wäre das tragischer, davon hat der Mensch nur einen mitbekommen.”
Nun ist sie, wie der WDR Köln in seiner Aktuellen Stunde am 21.04.2008 abends zwischen 18:50 und 19:30 europäischer Zeit berichtete, gestorben und in ihrer deutschen Heimat bestattet.

Ihr Lebenspartner Horst P. trauert - und ist verbittert. Er fühlt sich von aller Welt im Stich gelassen. Vor allem fürchtet er, auf den Kosten der stationären Behandlung in der Türkei und des Flugtransportes nach Deutschland sitzen zu bleiben.

Schon in Avsallar in der Türkei ist er nebst seiner Partnerin einem sehr merkwürdigen selbsternannten “Wohltäter” aufgesessen. Dieser Hilfsbeflissene überredet Ingrid M., sich doch dringend nur in dieses eine, von ihm so warmherzig und absolut uneigennützig gepriesene, private Krankenhaus einweisen zu lassen. Er gewann das Vertrauen der Kranken - und organisierte einen Minivol ksaufstand. Mit klorollenähnlichen Papierstreifen skandierten so circa drei Dutzend
aufgebrachte Rentner auf Alanyas Prachtmeile: wo bleibt die Bundeskanzlerin - wo bleibt das Konsulat - wo bleibt die böse böse Krankenversicherung? Medienwirksam ließen sich die alten Herrschaften von ihrem Anführer brav in den Straßendreck setzen. Ein makabres Schaustück willfähriger Uninformierter.
So weit die Fakten.
Auch bei Auslandsaufenthalten leisten außer den privaten Krankenversicherern auch die gesetzlichen Krankenkassen. Selbstverständlich auch die inkriminierte Hamburg-Münchener - HMü! So sieht es das für alle in Deutschland gesetzlich Versicherten gültige

Sozialgesetzbuch 5 (SGB V) vor.
Und zwar, hier irrt die Berichterstattung des WDR. Die Kosten für das medizinisch Notwendige - stationäre Behandlung durch den Assistenzarzt, Medikamente, alle notwendigen invasiven und diagnostischen Eingriffe, Unterbringung im Mehrbettzimmer, werden auch im Ausland übernommen. Vorausgesetzt ein Gegenseitigkeitsabkommen besteht, wie z.B mit der Türkei. Kostenübernahme bis zur Höhe der Beträge, die in Deutschland entstanden wären - jedoch immer nach den Gegebenheiten und Vorschriften des Gastlandes.
Eine Krankenhausunterbringung im Einbettzimmer, Chefarztbehandlung, Dolmetscherkosten, wie bei Ingrid M. darf in keinem Fall von einer deutschen gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Auch die Kostenübernahme für einen eventuellen Rücktransport aus dem Ausland ist den deutschen gesetzlichen

Krankenkassen verboten. Zumal eine medizinische Notwendigkeit bei Ingrid M. nicht bestanden hat. Sie war medizinisch korrekt versorgt nach dem gewählten Status einer Privatpatientin. Das alles kann privat zusatzversichert werden - wenn, ja, wenn man nicht zu alt ist. Auch in jüngeren Jahren sind die Kosten für jeden über sechs Wochen hinausgehenden Auslandsaufenthalt schon beachtlich.
Nun ist ein Lebenspartner für die entstandenen Kosten nicht haftbar zu machen. Es sei denn, er hat stellvertretend fürsorglich vor der Operation einen Behandlungsvertrag mit dem Krankenhaus unterschrieben. Dann bezahlt er. Davor schützt auch die Einrede mangelnder Kenntnis der türkischen Sprache nicht.

Das System der deutschen gesetzlichen Krankenversicherungen ist teuer, es hat Einschränkungen, es wird auch in Zukunft keinesfalls billiger - aber es funktioniert und es wird auch in Zukunft funktionieren, wenn es fortentwickelt wird. Aber es darf nicht erwartet werden, dass es überall außerhalb Deutschlands nahtlos übertragen wird, wo wir gerade mal eben medizinisch vollkaskoversichert zu werden wünschen.

Das ist der Preis, den wir zu bezahlen haben, wollen wir die Wärme des Mittelmeerklimas über längere Zeiträume genießen.
Ingrid M. war wunderbar mit all ihrem rheinischen Lebensmut, bewegend, sie kennen gelernt zu haben. Mag sie in Frieden ruhen.
Peter Hockenholz

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