Müftü versus EKD - Mit Augenmaß und auf Augenhöhe

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Die Residenz des für Alanya zuständigen Müftü Ahmet Hamdi Baþpýnar sah am 27. Februar eine bemerkenswerte Begegnung der Religionen. Oberkirchenrat Jens Nieper, Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Referat Nahost, Weltkirchenrat und Lutherischer Weltbund machte seinen Antrittsbesuch beim Müftü.
Begleitet war er von Rainer Wutzkowsky, dem neuen Pfarrer für die St. Nikolausgemeinde in Alanya, dem scheidenden Pfarrer Kusch und Rolf G. Rutter als Sprecher der Gemeinde.


Sollten auf beiden Seiten Empfindlichkeiten und Vorbehalte, etwa durch den Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten in Köln und durch die schicksalhaften Ereignisse in Ludwigshafen vorhanden gewesen sein, so belasteten diese in keine Weise die Begegnung.

Der Müftü erwähnte warmherzig seine Studien- und Arbeitsaufenthalte in Bonn und in Aachen im Jahre 1993, rudimentäre Deutschkenntnisse schafften eine freundliche Eingangsatmosphäre. Geteilt wurde die Auffassung, dass eine Kultur ohne Religion nicht komplett sein kann. Aufgabe sei, dass die unterschiedlichen Religionen zusammenzuwirken haben zu einer Kultur des Friedens.

Beide Seiten bestehen auf dem Vorhandensein von deutlichen Unterschieden in der Religion. Diese seien aber nicht vorherrschend und man habe die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Schließlich haben alle nur einen einzigen Gott.

Der Müftü zeigte sich aufrichtig zufrieden mit dem Besuch aus Deutschland; so lerne man einander kennen, sich besser verstehen, einen Dialog zu beginnen. Rolf G. Rutter erwähnte den gegründeten Gesprächskreis des St. Nikolaus Kirchenvereins. Rainer Wutzkowsky, “der Neue” hat Erfahrungen aus seiner Seelsorge mit Türken aus seiner Heimatstadt Bochum. Er betonte, dass er in erster Linie für seine Gemeinde in Alanya da sei und ihm eine Missionierung in islamischen Kreisen fern liege.
Er liebt Rumi und freue sich auf Kontakte zum Mevlanaorden in Konya. Das Aufeinanderhören sei noch wichtiger als das Miteinandersprechen, so Wutzkowsky.

Nach den gegenseitigen Artigkeiten ging es dann auch flott ans Eingemachte. Die neuen Moscheen in Deutschland und ihre teilweise unglücklichen Begleiterscheinungen durch Deutsche wurden deutlich angesprochen. Wie auch der Wunsch der Christen, Gebetshäuser auch in der Türkei einweihen zu können. “Wer ein Haus baut, dokumentiert seine Absicht, bleiben zu wollen!” So OKR Jens Nieper.
Er nahm auch kein Blatt vor den Mund, die Verfolgung und gar die Tötung von Christen in der Türkei anzusprechen. Kusch ergänzte diplomatisch, dass die deutsche Gemeinde in ihrem Gottesdienst der verbrannten Türken in Ludwigshafen stehend gedachte und für die Angehörigen öffentlich betete.

Möge die Neugier aufeinander schwerer wiegen als die Angst vor dem jeweils anderen Glauben. In diesem Sinne wünschten sich alle Beteiligten den Fortgang des begonnenen herzlichen Miteinanders.
Der scheidende Pastor Johannes Kusch hat in seiner nun zu Ende gehenden Zeit in Alanya Nägel eingeschlagen in den Beton. Der OKR aus dem fernen Hannover von der EKD konnte mit seiner verbindlichen, in der Sache jedoch klar vorgetragenen Art schon ziemlich Bedeutsames daran aufhängen - es hält bereits!

Aber im Himmel werden die guten Ideen entwickelt, hinieden auf der Erde müssen sie handfest umgesetzt werden. Pfarrer Rainer Wutzkowsky, der “Neue”, findet Engagierte vor, die ihm wenig Steine in seinen Weg legen werden - inshallah!
- ho

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Rüya Tabiri
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