Wo rohe Kräfte sinnvoll walten, da kann ein Schaufelstiel sich spalten. Sch….öne Bescherung - eine neue Schaufel muss her, sonst stoppt die Arbeit. Da fällt mir ein: Alanya besitzt neben den schönen Anpflanzungen und der sich mausernden Keykubatstraße auch ein Sanyai, ein Gewerbegebiet. Das ist im Hinterhof des stattlichen Stadtgebäudes, da gehen die Türken hin. Da wird das Bruttoszialprodukt richtig mit schwieligen Händen erarbeitet, oft genug nicht sehr gewerkschaftsfreundlichen Arbeitsbedingungen. Zumindest die Lackierer tragen inzwischen Atemschutzmasken.
Einen Schaufelstiel wird man wohl erwerben können und einer der mannigfachen Grobschmiede wird das Schaufelblatt wohl erhitzen, den Abbruch entfernen und die Neuerwerbung einpassen. Alles ein Umweg. Es gibt da ein Geschäft, das sich seit Jahren bemüht, den yabancý zu verstehen, wenn er seine technischen Wünsche radebrecht. Man kennt sich, die Leute sind hilfsbereit.
Ein passender Schaufelstiel ist aus der Auswahl an Handgeschnitztem herausgefunden, der Verkäufer verlangt energisch das Schaufelblatt aus dem Rucksack und im Handumdrehen ist die Ruine entfernt und der Neue eingepaßt. Kundendienst auf türkisch eben.Çok tessekür ederim! Ende der Stiellosigkeit.
Eine dieser schlichten gastlichen Stätten im Gewerbegebiet bietet ein Dach über dem Kopf vor dem Regen und die köstlichsten Köfte der Welt bieten Wohlbehagen. Serviert auf einem blütenweißen Set aus Papier anstelle der üblichen alten Zeitungen, die das Tischtuch
ersetzen.
Obwohl der neue Schaufelstiel oben drauf keinen Geßlerhut trägt,
sondern unten dran nur ein ziemlich gebraucht ausschauendes Schaufelblatt, wird er ständig von hungrigen Arbeitern gegrüßt - und der
Besitzer als ebenfalls arbeitendes Subjekt wahrgenommen. Gut fühlt es sich an, in dieser Weise zur arbeitenden Bevölkerung gezählt zu
werden.
Wenig später steht ein Arbeiterdenkmal auf die Schaufel gestützt an der Fünfunddreißigmeterstraße und wartet auf den Bus, angehupt vom Herausgeber des Alanya-Boten, der sich in die gegenläufige Richtung chauffieren läßt. Im Bus feixen dann noch die Studenten: endlich scheint der Alte mal etwas Richtiges arbeiten zu wollen. Sonst plagt er uns im Deutschunterricht immer nur mit seinem Sprachunterricht.
Bin ich etwa schon so sehr assimiliert und sozialisiert, wie der Ministerpräsident unserer Wahlheimat seinen Türken in Deutschland rät, es nicht dazu kommen zu lassen? Weil Anpassung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei? Mehr nicht dazu, denn sonst gerät ein neuer Schaufelstiel noch zur Stillosigkeit.
- ho


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