Sechzehntausend Türken mit deutschem Pass lauschten kürzlich dem Ministerpräsidenten des Herkunftslandes ihrer Eltern oder Großeltern in Köln. Der heizte seinen Landsleuten, die in der Bundesrepublik leben, kräftig ein. Laßt euch bloß nicht zu eng mit diesen Deutschen da hinten ein! Haltet Distanz zu dem Land, in dem ihr lebt! Die wollen euch doch gar nicht haben! Die sind eklig zu euch, haben vielleicht sogar Mundgeruch! Die gönnen euch die Moscheen nicht. Die wollen auch noch, dass ihr ihre Sprache lernt. Bleibt mal fein in euren Türkenvierteln. Und so weiter und so weiter.
Nur wenige Tage später macht die deutsche Bundeskanzlerin Pause vom Wahlkampf und vom Regieren. Sie kommt nach Alanya. In der Stadt laden zahlreiche Großplakate von den Stellwänden die hier lebenden Deutschen zu einer Großkundgebung am Hafen ein.
Wieviele Deutsche leben eigentlich hier? Die Zahlenangaben differieren zwischen ganz ganz Vielen und ganz Wenigen. Frau Dr. Angela Merkel spricht vor geschätzten fünfhundert Deutschen, die hier temporär oder ganz leben.
„Lasst euch nur nicht mit diesen Türken ein. Die wollen doch in die Europäische Union. Es sind aber keine Europäer. Gebt euch nicht mit diesen Leuten ab. Lernt bloß nicht ihre Sprache, denn das schadet unserer deutschen Auffassung von Kultur. Die füllen unser schönes Deutschland mit Moscheen. Habt ihr etwa eine Kirche in Alanya? Ei, warum denn wohl nicht? Geht brav in eure deutschen Freundschaftsvereine, bleibt wie anständige Deutsche unter Euresgleichen. Meidet türkische Gaststätten, geht in die deutschdominierten Biertempel, am besten schon vormittags. Esst keine türkischen Gerichte, sondern schleppt Schweinshaxen in euren Koffern in diese merkwürdige Wahlheimat. Macht selbst keinen Handschlag, lasst diese Türken schuften. Aber denkt daran, deren Arbeitsleistung genügend karg zu entlohnen, handelt! Aber nur beim Preis.
Spendet nichts mehr für diese Tierheime, kümmert euch nicht mehr um arme Kinder, arme Familien. Man weiß doch, eure € landen immer nur in den Taschen weniger Superreicher. Macht lieber euren Urlaub in Kötzschenbroda. Oder in Heiligendamm. Da ist nicht mehr abgesperrt“. Uns so weiter und so weiter.
Zugegeben, es ist nur eine Fiktion. Uns´ Angie ist natürlich nicht nach Alanya gekommen. Sie hat auch nicht am Hafen geredet. Sie hat nicht ihre politische Suppe auf den Flammen von Ludwigshafen gekocht.
Sie hat uns allein gelassen. Das ist gut so. Also assimilieren wir Deutschen uns mit den Menschen in unserer gastlichen türkischen Heimat. Engagieren wir uns weiter. Achten wir einander, leben wir miteinander, lernen wir voneinander. Es ist so schön warm hier. Fragen wir nicht, was diese Türkei alles für uns tun könnte. Fragen wir uns, was wir für die Menschen, deren zugezogene Nachbarn wir sind, tun können. Viel!
Peter Hockenholz




Recent Comments