Der Kommentar
Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hastDie Bürgermeister in der Stadt und um die Stadt Alanya drum herum, na, die trauen sich wirklich was! Frisieren sich zwar selbst korrekt, frisieren die Zahl der Einwohner des Ortes, für den sie Verantwortung tragen, hingegen offenbar nach Gutsherrenart.Brauche ich richtig viele Menschen „unter mir“, dann rechne ich die mehr oder minder geduldeten Touristen mal dazu und multipliziere sie noch mit der Anzahl der verkauften ekmek. Schon breitet sich um mich herum das Flair einer Weltstadt aus.
Mag ich diese Touristen aber überhaupt nicht, dann rechnet mein großer breiter Daumen die Zahl eben herunter. Im Kaff Payallar gibt es sogar zwei Bürgermeister, folgerichtig mit zwei ganz verschiedenen Zahlenangaben. Vermutlich haben die beiden Herren Dorfvorsteher unterschiedlich breite Daumen. Wie wäre es denn mit einer konkreten Zählung? Im Zeitalter des Computers muss man nicht einmal zusammenrechnen, das macht das Programm ganz von alleine. Dieses Prozedere nennt sich Volkszählung. Mit so konkreten Angaben soll das ferne Ankara dann konkret planen? Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.
Nach schlechter eingeschliffener Sitte sucht der Verantwortliche die Verantwortung ganz selbstverständlich von sich abzulenken und erklärt seine Unschuld damit, dass die Verhältnisse eben so sind.
Nur zum Verständnis: Menschen, die übers Jahr ihren Urlaub hierzulande verbringen, zwei oder drei oder vier Wochen hier sind, das sind Gäste! Schnöde jedoch werden sie abschätzig genug als Touristen abqualifiziert. Diesbezüglich ist die vielgepriesene und häufig genug auch noch anzutreffende Gastfreundschaft eingeschränkt auf die Kaufkraft eben dieser Touristen.
Menschen, die nicht in Alanya, in Ciplaklı, Payallar, Mahmutlar, Kestel oder anderen Ortes in der Türkei das Licht der Welt erblickten, sondern „nur hier wohnen“, das sind Einwohner! Denn die sind hier gemeldet, zahlen hier Steuern, kaufen in hiesigen Geschäften ein. Vor allem prägen sie das Bild eines Ortes entscheidend mit. Oder?
Diese Einsicht möchte ich unter anderen dem aufreizend ausländerfeindlichen Muhtar eines großen Ortsteiles in Alanya vermitteln. Jenem bis zur Unhöflichkeit aufbrausendem Herrn, der uns verhaßten Ausländern die erbetenen Dokumente mit gehässigen Bemerkungen erst nach willkürlicher Verzögerung über den Tisch knallt. Vor allem dann, wenn Frauen, des Türkischen durchaus mächtig eine Handlung von Amtes wegen begehren. Namen? Ortsteil? Gerne. Im Wiederholungsfall.
Peter Hockenholz




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