Eine ziemlich runde Sache “Dabei sein ist alles” dachte sich Ahmet unter Inanspruchnahme des olympischen Gedankens - und machte prompte den Bock zum Gärtner. So ist das, wenn der Berichterstatter mit wichtiger Miene zwischen den vielen Experten für sportliche Aktivitäten auf der Pressetribüne hockt und als totaler Döspaddel von nichts eine Ahnung hat. Zumindest was Fußball betrifft.
“Du musst nur immer die Beine der Fußballer zählen, es müssen immer genau vierundvierzig sein”, riet mir einer dieser Sachverständigen vorher. Guter Rat, ich zähle immer wieder nach, komme aber nur auf zwanzig Orangene mit weißen Kniestrümpfen und zwanzig Blaue, die mit hochherschaftlichem vereinseigenem Bus aus dem fernen Istanbul an diesem 23.01. im Stadion zu Alanya einfielen. Erst später ging mir auf, dass die beiden Schwarzen, die vor dem jeweiligen Tor standen, auch noch dazugehören. Dann wetzte noch ein weiterer Schwarzer hurtig zwischen den Eiligen hin und her und pfiff dauernd laut und misstönend. Macht nach Adam Riese sechsundvierzig Männerhaxen.
Die Orangenen waren an der Trikotaufschrift als Aktive und Passive von Alanya-Spor auszumachen. Die Blauen machten ihnen als kämpfende Truppe aus der Weltstadt am Bosporus aber ziemlich zu schaffen.
Sie hetzten unsere heimischen Kicker fürchterlich hin und her über den Rasen, traten auch mal nach einem von uns. Beide Parteien streckten ständig die Hände in die Luft, konnten das runde Leder aber nicht einmal zu fassen kriegen. Stattdessen kriegten sie den Ball immer wieder auf den Kopf und stießen ihn von sich. Kann man auch verstehen, denn das tut doch weh, auch dann, wenn noch Haare den harten Ball abfedern. Nur der Pfeifer hielt sich da heraus, schließlich hatte er auch so einen überbreiten Scheitel wie ich. Der Mann war eben vorsichtig.
Am Rande um das Spielfeld hielten sich viele kleine grüne Männchen auf. Die schmissen den Fußball immer wieder den Spielern vor die Füße, wenn sie ihn im Staub gefunden hatten. Alles so richtige kleine Ball-Acks. Sehr zu loben ist die hehre Gastfreundschaft der Fußballer von Alanya-Spor. Sie wollten nicht, dass Fenerbace enttäuscht in den feinen Bus steigt und öffneten deshalb ihr Tor einladend für zehn Treffsichere in ihr eigenes Netz.Die Gäste nutzten das weidlich, nahmen das Gastrecht wahr, vernachlässigten aber die Gastpflicht. Sie hielten dicht - und nur drei Tore gönnten sie unsern Jungs. Traurig genug.Die Veranstaltung war angekündigt als Fußball - S p i e l. Warum dann aber Hundertschaften von Polizeibeamten mit Pistolen, Knüppeln, teilweise verschanzt hinter durchsichtigen Schilden?? Vielleicht erklärt mir das mal einer. Aber neunzig Minuten lang brandeten die La Ola-Wellen durch unser Stadion.Nun weht eine dieser grün-orangenen Fahnen hier in Kestel vom Küchenbalkon. Da sieht man sie von der Straße aus.
Ahmet, hoffentlich kriegst Du zu meiner Expertenanalyse auch irgendwo den nackten nüchternen Sachverhalt her, ruf doch mal Freund Rýza von der IHA an, als rettenden Notproppen. - ho


Ocak 31st, 2008 at 06:51
Ich habe noch nie einen solch gut gelungenen Spielbericht gelesen. Da hatte doch wohl jemand richtig Freude dran. Alle für einen Sportfan wichtigen Fakten waren vorhanden, man konnte sogar feststellen wer gewonnen hat. Danke, echt super!
Als Berliner, bzw. Hannoveraner ist man aber sicherlich kein Fußballlaie, erst recht kein “Döspaddel”. det