
Kein Klavier, kein Klavier
Es war wie warmer Kamillentee, obgleich es vom Gebotenen her wie Darjeeling erster Pflückung hätte sein können, sein müssen. Pfarrer Kusch hatte namens der ihm anvertrauten Gemeinde mit den Vorbereitungen eines ersten Weihnachtskonzertes alle Hände vollauf zu tun.
Pianist Fritz Kaas, Dozent an der Musikakademie Antalya ging selbstverständlich davon aus, dass ein Klavier für ihn bereit steht. Stattdessen musste er sich im großen Saal des Kulturhauses Alanya am vierten Advent im Konzert - mit einem elektronischen Primitivum abmühen.
So war Elif Akimci, Mezzosopranistin an der Städtischen Oper Antalya, auf sich allein gestellt. Beide meisterten sie ein Spitzenprogramm. Weihnachtsfriede von Nico Dostal, das russische Weihnachtslied von Barbe, Mariaens Wiegenlied von Mas Reger, Weihnachtsgefühl, das einzige Weihnachtslied von Richard Strauss, Marys boy child Jester Haiston, Jesus meine Freude, J.S. Bach. Zauberhaft vorgetragen, einfühlsam und ohne Schulmeisterei informierte Fritz Kaas ein vielhundertfaches Publikum.
Elif Akimci hatte extra für ihr Debüt in Alanya die Texte in deutscher Sprache einstudiert und vorgetragen. Ob sie als Muslimin keine Probleme hätte mit ihrem Liedvortrag mit seinen christlichen Inhalten. Antwort durch Fritz Kaas: “Ganz im Gegenteil. Sie befasst sich als Mensch und als Künstlerin gerne mit den Inhalten einer anderen Kultur. Wenn zum Beispiel die türkischen Sender in dieser Zeit das Weihnachtsoratorium ausstrahlen, dann zeugt das von einer modernen türkischen Auffassung. Aber vielleicht hat die konservative Provinz da noch Bedenken?” Zählt er Alanya dazu?
Beide wollen aber wiederkommen und hier
konzertieren. Dann vielleicht durch die Begleitung auf einem richtigen Klavier, vielleicht auf einem Konzertflügel? “Wenn die Stadt Alanya für viele Millionen YTL ein so repräsentatives Kulturhaus (kültür sanayý) errichtet, wird sie vielleicht die Mittel für eine adäquate Ausstattung mit einem Konzertflügel noch aufbringen?
Selbst der echt in der Natur gewachsene Weihnachtsbaum, etwas mühselig mit zwei Stühlen zum aufrechten Stehen ermuntert, zeigt mit seinem Zusammenwirken aus westlicher Strohsternkultur zusammen mit türkischem buntem Geblinkere das Zusammenkommen der Kulturen.
Danke, Herr Kusch und allen von der St. Nikolausgemeinde, die mit Kaffee und Kuchen und mit viel Liebe zum Gelingen beitrugen.
- ho




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