Eine Sache ist es, sich per Schnellbleiche über den hohen islamischen Feiertag im Internet zu belesen und Kluges dazu öffentlich von sich zu geben. Ein einen anderen Eindruck vermitteln die Medien den Nichtmuslimen. Alles schön weit weg, mehr oder weniger sachgerecht aufbereitet, in Appetithäppchen auf dem Sofa aus dem Alanya-Boten herauszulesen. Ein wenig befremdlich, ungewohnt die Bräuche.
Aus dem Bus- oder Autofenster oder vom windigen Roller sehen wir die Pferche voller Ziegen und Schafe, Opfertiere eben. In Kestel, auf dem Lande hinter dem Dimçay, füttern wir mit Gemüseabfällen das ganze Jahr über die schönen Ziegen mit dem eindrucksvollen Gehörn, freuen uns an deren Nachwuchs - und wissen, sie allesamt werden eines Tages, am Kurban Bayram eben - geopfert werden.
Ahmet: “Peter, willst die Opferung der Tiere selbst miterleben?” JA! Aber nun habe ich es hinter mir!
Hinterhöfe im schön gewordenen Oba. Tief gestaffelte Häuser, von den eleganten blumengepflegten Alleen nimmt der Ahnungslose nur einen äußerst dezenten Blutgeruch wahr, nicht mehr.
Doch hinten in den Höfen frohgemute Volksfestatmosphäre. Fleißige Frauenhände befassen sich, auf dem Boden hockend, mit Ziege oder Schaf von innen, zerteilen, füllen in Plastiktüten - es gibt da einen genau einzuhaltenden Ritus - das Beste für die Armen, das Zweitbeste für die Alten und so weiter und so weiter. Dazwischen Kinder, Hühner, abgebalgte Felle, nicht mehr so schön wie auf dem Lebendtier, Plastikmüll, abgehackte Ziegenköpfe.
Es ist der Tag der langen scharfen Messer. Die Opfertiere warten, haben zuzuschauen, bis sie selbst “dran” sind. Vier Mann, vier Beine, der Todesschrei der Kreatur erstickt im Blut. Perihan tunkt ihren Finger in den ausblutenden Ziegenhals, malt sich ein blutiges Zeichen auf die Stirn. Die Kinder jubeln.
Als ein Kainsmal kann es nicht gelten, der kommt bei den Mohammedanern nicht vor. Ergo wird es ein Glücksbringer sein. Einzelheiten des weiteren technischen Ablaufs werde ich nicht beschreiben.
Ahmet wollte mir als Kontrastprogramm zeigen, dass auch in Alanya alles wohl geregelt auf behördlich eingerichteten Schlachtplätzen geschieht. Günter und Loni aus Oba haben mir mit einem doppelten Magenbitter der guten Sorte spontan geholfen, alles Gesehene besser zu verdauen. Danke!
- ho




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