Grund zum Optimismus?
Das interessante Jahr 2007 verabschiedet sich selbst in Kestel, hinter dem Wildschäumenden Dimçay, mit einem sonnigen einunddreißigsten Dezember mit einem allerletzten Kalenderzettel mit den für diesen Tag einzuhaltenden Gebetszeiten. Und tschüss, altes Jahr!
Alanya, die Vorstadt von Kestel, ist 2007 schöner, kultivierter, angenehmer, verkehrsberuhigter, feiner, eleganter, geworden. Der neu angelegte Park an der Butterseite der Stadt ist einfach schön, hervorragend geplant, lädt ein. Tausende Blumen sind gepflanzt. Alles wirklich so wohltuend, dass sogar Menschen aus dem Umland Freude und Erholung dort finden.
Bürgermeister Hasan Sipahioðlu ehrte noch kurz vor Jahresende ein Kölner Ehepaar, das Alanya zum 51. Mal die Ehre gab. Der Baschkan spricht stolz vom Erreichten. Sogar ein Klavier will er dem aufwändigen Kulturhaus der Stadt spendieren. Damit nicht Erstklasskünstler jemals wieder ein Konzert mit drittklassigem Equipment bestreiten müssen und Alanya neben so vielen Vorzügen auch eine Stadt mit Kultur werde.
Der Verkehr soll sich endlich etwas beruhigen, die Promenaden werden schönerr, einhundertundfünfzig Leihdrahtesel werden wohl vor allem Touristenwaden kräftigen helfen. Es lebt sich so schön in Alanya, vor allem in den Kneipen, in denen das Efes fürr deutsche Durstige ein paar Kurusch weniger kostet..
Auch die Luft wurde besser, nachdem eine Sendungsbewusste und Gerichtsbekannte klammheimlich das Weite suchte. Seitdem blüht ein Verein wieder richtig auf.
Aber zeigt diese von uns allesamt so sehr geliebte Stadt Alanya nicht allzu häufig auch seine andere, seine potthässliche Seite? Was für scheußliche Nachrichten schaufelte mir Ahmet Algül nicht alles im Laufe so eines Jahres herüber.. Allem voran die Einbruchskriminalität nahm sehr erschreckend zu. Einwohner von Oba berichteten wenige Tage zuvor von siebenundzwanzig Einbrüchen in einem Jahrfünft in ihrem Mehrfamilienhaus. Am hellen Tage kamen erst kamen erst kürzlich zwei Frauen, den eisernen Kuhfuss in ihrer weiten Kleidung verborgen.
Auch so genannte Sicherheitstüren boten keinen nennenswerten Widerstand. Gegenstände der Sehnsucht waren Bargeld und Schmuck. Handys interessieren keinen mehr. Jetzt wachen Kameras rund um das Haus und rund um die Uhr ist Dauerfernsehen angesagt. Inwieweit es in der Türkei opportun ist, die erkannten Täterinnen als Zigeunerinnen zu outen, ist noch nicht ausgelotet.
Wie häufig musste über Gewalttaten, innerhalb und außerhalb der Familien, berichtet werden. Über Schiessereien auf Passanten, auf Gäste. Wozu braucht Alanya eigentlich ein Adalet, ein Gericht, wenn Streitigkeiten ohne Juristen ausgetragen werden? Nimmt der Staat das ihm zustehend Gewaltmonopol ernst genug? Vor allem, wenn es übler althergebrachter Sitte zu Folge immer noch Rabatt bei der Strafzumessung bei so genannten Ehrenhändeln gibt?
Mit Freude las ich die sehr viel Hilfe bietende Broschüre des Ausländerbeirates. Danke, Abdullah bey,
danke allen Beteiligten, vor allem jene, welche die Gelder als Spenden locker machten.
Aber ist eine solche Informationshilfe das geeignete Medium für Märchen aus Tausendundeiner Nacht?? Oder wie ist der Hinweis auf eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf
fünfzig Stundenkilometer im Straßenverkehr sonst zu verstehen? Oder liegt es vielleicht an mir selbst, dass mir gefahrene 49 Stundenkilometer wie gefühlte 94 vorkommen? Es mag zwar sein, dass es die alternden Beinmuskeln kräftigt, sprintet man mit vollen Taschen vom Alanyum hinüber zum Portakalbus. Aber was nützen sie dem ganz aus Versehen Überfahrenen? Abgesehen davon, dass der kurz vorher noch getätigte Einkauf höchstens noch die Stadtrennbahn verschmutzt?
War da im Gesetz nicht auch von einer Helmpflicht für Zweiradfahrer die Rede? Nun gut, oder nicht gut, wir befinden uns hier natürlich ” im Orient, klärt mich ein Insider auf. Hier sehe man das alles nicht so verkniffen. Natürlich. So bewundere ich die eleganten Verkehrspolizeiuniformen, vor allem aber deren superschöne und Supergepflegte Motorräder. Wenn sie ganz und gar Obrigkeit, an den Kreuzungen stehen und dem Treiben zusehen. Da lacht das Herz des jahrelangen BMW-Enthusiasten außer Diensten.
Welche Seite überwiegt denn nun? Die hässliche mit ihren Straftaten, ihrem Unvermögen, ihrer fehlenden Einsicht, ihrer Korruption, ihrem Elend, ihrer Intoleranz, nicht zuletzt in Fragen der Religionen zueinander?
Oder die mit dem schönen neuen Stadtpark, mit ihrer Modernität, mit ihrer Internationalität, ihrer Urbanität, ihrer Toleranz. Wir haben alle miteinander noch sehr viel zu tun im funkelnagelneuen Jahr Zweitausendacht!
Versöhnlich und mit vielem vielem Dank bedacht sei die halb- oder viertelöffentliche oder die ganz ohne Medienkenntnisnahme geübte Hilfsbereitschaft durch die Türken und durch die Europäer. Immer noch zu viele Kinder unter dem Existenzminimum, zu viele zu große Schulklassen, zu viele Steine auf Straßenhunde. Viel zu viele von allen wären es, gäbe es nicht die vielen Hilfsbereiten!! Wie gesagt, wir haben zu tun.
Peter Hockenholz




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