Alanya – Stadt meiner Träume?

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Wie gut – oder weniger gut – lebt es sich hier?

Nur Hunde und die Journaille jagt man bei einem solchen Wetter auf die Straße. Allah sandte an diesem Dienstag das ganze Kontingent an Regen, was im Saisonsommer ersehnt war. Über die Hunde am Ende dieser Seite mehr. Man möchte so gerne auf dem Sofa liegen, ein gutes Buch, einen guten Whisky dazu – und die Welt Welt sein lassen. Aber der Herausgeber dieses unseres Boten wünscht wie einst Martin Luther dem Volk aufs Maul zu schauen. Alanya, du Stadt meiner Träume….

Nachbarin Michaela, führt mich in die gute deutschsprachige Gesellschaft in der Gaststätte Manolya ein. Da hockten sie denn fast alle, fröstelnd in ihren mehr oder weniger festen Regenhüllen.

Mevlüt, 26 Jahre jung, hat zwei Berufe, korrekter gesagt zwei Einnahmequellen. In der saisonlosen Zeit quält er sich für YTL 500.— zuzüglich täglichen 2 YTL für sein tägliches Essen von morgens neun Uhr bis in die Dunkelheit als Bauhilfsarbeiter. Der Mensch ist mager und zäh, der Mevlüt, und schuftet Karre um Karre voll Lehm mit Steinen, schwer vom Regen, einen Abhang hinauf. Den ganzen Tag. Mevlüts Saisonberuf ist Kellner im Doris Aytur Hotel in Mahmutlar, seit vielen Jahren. Zwölf bis 14 Stunden täglich, ebenfalls für YTL 500.—zuzüglich geringer Trinkgelder. Gering, weil die Abrechnung der Gäste per chip erfolgt.

Mevlüt sprachen wir schon morgens in Kestel. Er arbeitet seit seinem sechzehnten Geburtstag sehr gerne in der Hotellerie – und am liebsten sind ihm die deutschen Gäste. Von denen lernte er unsere Sprache. Warum deutsche Gäste? „Sie sind die höflichsten und sie sehen in uns den Menschen, der sich um ihr Wohl müht. Was ihm an deutschen Gästen nicht gefällt? Mevlüt denkt nach – nichts. Sie sind mir die liebsten Gäste – weit vor Besuchern anderer Nationen. Danke Mevlüt!

Michaela, 52, gewesene Hotelfachfrau, verliebte sich bei einer Schiffsreise lebenslang in die Türkei, sie sei ihre zweite Heimat geworden. Sie lebt mit Lina und Flash, ihren beiden riesigen furchterregend aussehenden Rodesian ridgebacks in Kestel, kennt  in Alanya Gott und die Welt – und sie will dermaleinst auch hier bestattet sein. Dort, wo andere Damen Puderquaste, Designerfeuerzeug und Lippenstift verwahren, krümeln bei Michaela Hundeknüddel. Einem Verein von Deutschen beitreten? Nicht mit mir! Ich helfe mir selbst, habe viel von der Mentalität meiner türkischen Nachbarn übernommen, yavaş, yavaş.

Eberhard Kühn, genannt Ebi, 64, ehemals Inhaber einer physiotherapeutischen Praxis im fernen Kiel, kam 1988 zum ersten Mal in die Türkei, lebt seit 6 Jahren in Alanya, 1995 erst ein Domizil in Obagöl, , dann ein Penthouse in Alanya. Sein Zuhause teilt er neben seiner Ehefrau seit kurzem mit einer weißen Hündin – vormals ein Straßenköter. Nun sagt mir die weiße Schönheit, wann ich vor die Tür zu gehen habe, klagt er, aber er meint es so gut mit dem Familienzuwachs.

Neben der schön gewordenen Stadt Alanya lobt Eberhard die vorbildliche medizinische Versorgung, er fühlt sich wohl hier und wird sein Leben auch hier beschließen wollen. Kein deutscher Verein, sagt er, ich komme so bestens zurecht.

Dieter, 68, gewesener Elektriker. Seinen vollen Namen will er nicht veröffentlicht wissen. Er hat, wie er sagt, keine Angst, aber Vorsicht sei die Mutter der Porzellankiste. In dem Haus, in welchem er lebt, hat es einen Überfall auf einen türkischen Nachbarn gegeben, dem habe man einen Finge abgehackt. Die Medien haben mit seinem vollen Namen berichtet, er zieht den Beitrag aus seiner Geldbörse. Nun zählt der Düsseldorfer täglich seine eigenen Finger nach, noch seien sie vollständig und das sollen sie auch bleiben.

Dieter lebte mit seiner Ehefrau erst in Kumköy, seit 21 Jahren kennt er Alanya – und erfreut sich täglich an der Lebensqualität in dieser modern gewordenen Stadt. „Ich komme mit Türken besser klar als mit Deutschen! Noch niemals in den vielen Jahren habe ich mich übervorteilt gefühlt. Über die Türkei und seine Menschen kann ich nur Gutes berichten!“

Dunja 42, und Etlan, 43, wollen ebenfalls ihren Namen nicht gedruckt sehen, Dunja fühlte sich nicht genügend vorbereitet für einen Blick in die Kameralinse. Beide frieren mit ihren holländischen Freunden und versuchen, nicht allzuviel vom tropfenden Nass aus der Dachplane abzukriegen. Deutsche und Türke sind seit 18 Jahren ein Ehepaar. Seit zwei Jahren haben sie nach 6 Jahren Kuşadası Alanya zu ihrem Wohnort ersehen. Rundum Zufriedenheit strahlen diese beiden Sympathischen aus. „Nein, zu kritisieren haben wir wirklich nichts! „Wären die erheblich gestiegenen Steuern niedriger – und wie schön wäre es doch, gäbe es in Alanya außer einem deutschen Bäcker – auch einen deutschen Schlachter. Wir haben oft einen Heißhunger nach dem Wurstgeschmack aus deutschen Landen!“

„Ach so, da wäre noch etwas“, so Etlan, wieso werden mehr und mehr Preise in €  und nicht (mehr) in YTL ausgezeichnet?“

Da wäre dann noch Arap, ca. sieben Monate jung. An anderer Stelle im Boten steht seine Geschichte mit uns, oder unsere Geschichte mit ihm. Das Ende einer Hundefreundschaft. Nun ist auch klar, weshalb der innere Schweinehund an diesem fiesen regnerischen Tage kein Gehör finden sollte.

Wir waren noch nicht drin in der Kneipe, da steckt urplötzlich die bekannte schwarze feuchte kalte Kartoffelnase in meiner Hand, nachdem Nachbarin Michaela ihren nassen Begrüßungsschmatz empfangen hat. Arap, unser Arap, sah uns, nach vier Wochen. Mehr als zehn Kilometer entfernt von hinter dem wildschäumenden Dimçay. Kringelt sich zusammen auf unseren Füßen.

Arap fuhr mit der Taxe, nahm uns gleich mit. Nun kringelt sich der wunderschöne Schwarze auf seinem Kissen neben Chris, dem alten Hundeherrn. Läuft an der Leine, wird zweisprachig erzogen, sagt den Nachbarn klar und laut, dass er uns vor allem Unbill beschützen wird. Auf der Kehrschüppe finden sich jetzt doppelt so viele Hundehaare, aber es ist ein Auffegen.

Frauchen, abends bepackt aus Deutschland nach Hause zurückkehrend, traute ihren Augen nicht; zwei Schwarze begrüßten sie. Wir haben uns gesucht – und wiedergefunden. Nach über 35 Jahren Leben zu dritt wollen wir die Zeit nach Chris keinen Vierbeiner mehr. Wenn wir längst altershalber am Gehwägelchen zum Ekmekeinkauf trotteln, würde Arap voller Kraft vorwärts wollen. Wir werden Arap impfen, entwurmen, entmannen lassen – bevor er ein gutes Zuhause findet. Bei Ihnen???

- ho

11 Responses to “Alanya – Stadt meiner Träume?”

Sayfalar: [2] 1 » Show All

  1. 11
    Bobbi Mccure Says:

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Sayfalar: [2] 1 » Show All

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