Die Freiheit auf zwei Rädern oder der Ritt auf der Rasierklinge
Salim und Ferhat, beides Studenten aus dem zweiten Semester der Fakultät Kestel, halten mit ihrem winzigen Roller auf der abschüssigen Straße und laden ihren Hilfsdozenten für die deutsche Sprache freundlichst zur Mitfahrt ein. Die zwei Leichtgewichte rutschen zusammen, um dem dickeren Alten hinten auf dem Gefährt den notwendigen Platz einzuräumen, eine der täglich erlebten Freundlichkeiten türkischer Menschen. Kaum ist der aufgesessen, wird nach guter rasanter türkischer Art dem Aufgegabelten gezeigt, was an ungezügelter Kraftentfaltung in so einem Gefährt steckt.
Hui, wie der Fahrtwind die Glatze kühlt und eine gefühlte Geschwindigkeit von so ungefähr 150 Stundenkilometer erreicht wird. Vor jeder Kurve der kurvenreichen Strecke den Berg hinab gibt es eine Extraportion Gas; die Miniräderchen hüpfen seufzend von Schlagloch zu Schlagloch und jeder Hüpfer macht der Wirbelsäule eine Extrafreude.
Die beiden erliegen dem Rausch der Geschwindigkeit - und mitgefahren ist mit gefangen. Was so ein Rollerchen doch für eine Straßenlage entwickelt. Die gesunde türkische Rivierabräune macht rasch einem gräulichgrünen Teint Platz. Beide Studiosi sind ganz plötzlich sprachlos geworden. Weder das leise freundlich vorgebrachte yavaþ yavaþ lütfen noch das deutlicher akzentuierte Hannöverschdeutsch bitte langsamer, die Herren, bewirken etwas. Es wird am Geräusch des Minimotörchens liegen, dass die Wortfetzen von ganz hinten ganz vorn nicht ankommen. Allah hatte ein Einsehen mit dem Aufgelesenen, in Tosmur sind die beiden Hilfsbereiten zu Hause, die Fahrt ist zu Ende.
Sah ich beim Absteigen den Schalk in vier schwarzen Augen aufblitzen? Meine Zeit kam nur wenige Tage später. Als hannöverschdeutscher muttersprachlicher Hilfsbremser für die deutsche Sprache sehe ich im Hörsaal inmitten “meiner” Studenten auf dem Olymp auch die beiden Beflissenen. Im Türkischen konnte der deutsche Sprachenmuffel nichts ausrichten, aber der deutlich etwas intensivere Extraunterricht in der fremden deutschen Sprache wird, so ist zu hoffen, keinen Schaden verursacht haben. Im Gegenteil!- ho




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