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“Wer Vieles bringt, wird jedem etwas bringen!” Es war ein Gemischtwarenladen mit vielen bunten Angeboten zur ersten Veranstaltung des türkisch-deutschen Freundschaftsvereins Hür Türk im Miray Hotel nach der mehrmonatigen Sommerpause.
Vereinswichtiges wurde zügig abgehandelt – Weihnachtsbasar am 20.12., Weihnachtsfeier 15. Dezember – Termin aber nochmals nachfragen, Einzelheiten gingen in lebhafter gegenseitiger Unterhaltung unter – das Formular der deutschen gesetzlichen Krankenkassen, das zur Behandlung im städtischen Devlet Krankenhaus berechtigt, kann jetzt bei der SSK auf der 25-Meter-Straße gestempelt werden, der Weg nach Antalya entfällt – Ausflugsvorschläge reichten von Istanbul bis zum Van-See und einer Tropfsteinhöhle, die sehr groß und sehr reizvoll sein soll.
Nun wurde es bunt: sieben Herren im feinen Zwirn, die Führungscreme der Ziraat-Bank, gaben sich die Ehre, ihr Institut vorzustellen. Die 145 Jahre alte Ziraat bankasý sei zu früheren Zeiten ausschließlich für die Landwirtschaft tätig gewesen, nun möchte man auch für andere Leute da sein – mit einem Blättelein Papier in der Größe einer drittel Seite DIN A 4 in mäßiger Druckqualität präsentierte man “die Lokomotive der Türkei” – in ebenso mäßigem Deutsch – äußerst repräsentativ für eine Bank, die sich die größte Bank der Türkei nennt.
Fragen nach Kundendienst und Konditionen wurden nicht oder nur unvollkommen beantwortet. Das Fähnlein der sieben Aufrechten zog etwas muffig wieder vondannen. Es lag sicher an den Fragenden aus dem Plenum, die das nicht so recht verstehen wollten. Rechtsanwalt/Avukat Serdal Perik von der Kanzlei Perik und Morkoç, präsentzierte seine Dienstleistung in einem ausführlichen Pamphlet. Aber heißt er der Mitanwalt nun Morkoc, wie auf der feinen Visitenkarte oder Morkoç auf den abgezogenen Seiten? Er, der ansonsten eloquente Mann des Rechtes sei vor drei Jahren lediglich aus Deutschland wieder in die Türkei gekommen, weil er den Deutschen helfen wolle, und nichts als helfen.
Auf Nachfrage zu seinen Gebühren nannte er eine doch recht happige Summe pro Stunde. Was Recht ist, muss Recht bleiben, aber muss selbiges denn gleich so kostspielig dargeboten werden? Serdal bey, Sie haben die falsche Zielgruppe angesprochen. Aber danke für den guten Rat an die Fragende, sie möge sich mit ihrem Problem einfach an den nächsten Polizisten wenden. Na toll!
Drei finster blickende Herren bieten hernach ihre Dienste bei der Entsorgung von Toten an. Alles aus einer Hand sozusagen. Auf Fragen nach ihren ganz konkreten Dienstleistungen – und was diese kosten sollen – blieben sie die Antwort schuldig. Immerhin ließen sie ihre einzige Visitenkarte in den Händen des Hür Türk Vorstandes. Vertrauen erweckend, oder? Die Bitte des Vorstandes, doch Angaben über die nächsten Angehörigen für den Fall eines Falles zu hinterlegen, hatte da deutlich mehr Substanz.
Frau Prof. Theda Borde, MPH Alice-Salomon-Hochschule Berlin und Frau Johanna Kaiser, Dozentin und Leiterin des Theaters der Erfahrungen in Berlin sind augenblicklich mit einer Reihe Studentinnen und Studenten Gäste in Alanya, zwecks Erhebungen bezüglich der Lebensgewohnten der deutschen “Migranten” in der Stadt.
Zu guter Letzt Bericht eines Vorstandsmitgliedes, welches stellvertretend für Fahri Yiðigt, dem Vorsitzenden von Hür Türk den auf den ersten Oktober vorgezogenen Tag der deutschen Einheit im deutschen Konsulat Antalya wahrgenommen hat. Es sei eine Schande, dass 50 türkischen Gästen lediglich zehn Deutsche gegenüberstanden. Aber immerhin habe die Veranstaltung den Charakter eines Oktoberfestes gehabt. Armes Deutschland.
Unabhängig vom Fastenmonat Ramazan wurden 300 (in Worten: dreihundert) – Schweinebratwürste aufgetischt, großes Erstaunen beim deutschen Konsulat, so der Anwesende, dass die Türken überhaupt nicht zugelangt haben. Wie sollte auch Konsulin Martina John in der Abgeschiedenheit ihrer Büroräume etwas vom Fastenmonat einerseits und den Verkehrsgewohnheiten der Menschen in ihrem Gastland mitbekommen haben?
Es fielen weitere sehr sehr harte Worte über das Gebaren der Dame, so habe sie nicht einmal die Presse geladen, sie bastele sich vielmehr einen engen Kreis ihr Gewogener zusammen, habe für die ratsuchenden Deutschen kein Ohr, man hoffe dringend, dass sie bald von einer konsularischen Vertretung abgelöst wird, welche die Belange des Heimatlandes engagierter und umfänglicher wahrnimmt.
Fahri bey erwähnte explizit, dass er sich ganz bewußt bei der Gala habe vertreten lassen. Kann man verstehen.
- ho
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