Ramazan, Fastenzeit, Schulbeginn, es häuft sich in diesem Jahr und so wird es auch in den kommenden Jahren nach mohamedanischer Zeitrechnung hierzulande sein. In die Nachbarhäuser, seit Monaten verwaist, weil die Bewohner vor der Hitze in ihre Heimtdörfer flüchteten, zieht neues Leben ein. Dem männlichen Nachwuchs werden die Köpfe geschoren, damit versehentlich mitgebrachte kleine Plagegeister erst gar keine Chance haben - Reinlichkeit geht türkischen Mitmenschen über alles.
Aber die Rückkehr ist viel viel viel schwerer als der Beginn, nicht nur, weil die Schule beginnt. Hier oben hinter dem wild schäumenden Dimcay kommt so ein Kleinlieferwagen, hoch getürmt, die Klamotten in die hinlänglich bekannten Tücher geknüpft, darunter haufenweise Säcke, vermutlich mit Teilen der Ernten aus dem Heimatdorf, darunter noch einige Klafter Holz für den Winter - und - ganz in die Ecke verbannt, zwei von diesen schönen langfelligen - Ziegen. In der Kabine Vater am Volant, Mutter, vier Kleine, drei davon Menschen- und ein - Ziegenkind. Geht doch.
Ziegen riechen etwas strenge, unsere Hände nach dem Streicheln ebenfalls. Der Nachbar klärt rasch auf: es ist doch Fastenzeit und eine von diesen Ziegen essen wir. Wir schlachten sie heute Abend und verzehren sie nach dem Fasten-Kalender der Gemeinde Kestel für den 16. September ab 19:07 Uhr, wenn die Sonne untergegangen ist.
Das Zicklein etwa? Nein, das essen wir zum späteren Opferfest. Aber eine der beiden Großen, die wir eben noch auf der Ladefläche streichelten? Natürlich. Natürlich? Ziegen und Schafe sind neben der seltenen auf den bescheiden auf den Tisch kommenden Fleischmahlzeiten Opfertiere, die zu Ehren Allahs geopfert und verzehrt werden. Der Akt der Schlachtung dauert nur wenige Minuten und die Zubereitung erfordert einige Zeit. Eine gutnachbarliche Einladung zur Teilnahme am Fastenbrechen erging nicht, die bescheiden lebende Familie ist einfach zu groß, eine lahme Ausrede blieb uns erspart. Pragmatismus, gepaart mit muslimischer Frömmigkeit nimmt dem Geschehen das Schaudern, für Augen, Nase und Ohren des Europäers jedes Jahr neu gewöhnungsbedürftig.
Da haben wir es doch richtig gut, denn wir delegieren das Schlachten abseits in die Schlachthöfe. Denn selbst auf dem Lande gehört das Schlachtfest mit frischen Wellwürsten und Schlachtebrühe längst schon der Vergangenheit an.
So ganz nebenbei gesagt: es gibt in den Supermärkten Fastenpakete, vorgepackt mit Grundnahrungsmitteln! Ein frisches Huhn obendrauf gelegt wird es der armen Nachbarfamilie ein Stück weit über die Runden helfen. Wäre doch eine ganz praktische Teilnahme am Ramazanmonat und befriedigt einiges mehr als die Unzufriedenheit über die Einschränkungen zum Beispiel der fastenden Handwerker.
Auch noch so ganz nebenbei gesagt: es gibt tatsächlich Familien, die nicht die Knete aufbringen, ihren Kindern die notwendigen Schulhefte, die hier nach Gewicht verkauft werden und die Bleistifte un die Radiergummis kaufen können, von Schulklamotten mal abgesehen. Macht uns nicht ärmer, ganz im Gegenteil. Es eilt nur, die Schule beginnt!!!!- ho




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