Wie gut, dass es das Wetter gibt!

22 Juli Add comments

„Keinen Hund jagt man bei diesem Sauwetter vor die Tür“, beschwert sich mein Verleger und Freund Ahmet über eines dieser neumodischen Kommunikationslinien namens e-mail bei mir in Hannover. Da gehen nun die Meinungen über dieses verflixte Mistwetter deutlich auseinander.

Sauwetter, mein lieber Freund Ahmet Algül, das ist nach alt hergebrachtem Brauch eine Periode mit Dauerregen, Sturm und Kälte. Ganz so, wie man es seit altersher in Deutschlands Norden ungut und frostig gewöhnt ist. Die dicken fetten Pfühle – schon eingemottet – der nächste Winter kommt bestimmt – inshallah, werden hervorgekramt , den von der Sonne Alanyas verwöhnten Körper vor Frostbeulen zu bewahren. Tagsüber freut sich der schwarze Ofen auf zusätzliche Mahlzeiten aus Holz und Briketts.

Der schwarze Hund Chris verkriecht sich nächtens unter seiner Winterjacke. Zwar hat er vom Temperament her ein dickes Fell, aber die meisten seiner Stichelhaare hat er in Kestel hinter dem wild schäumenden Dimcay gelassen, hier schimmert  bei ihm die blanke Haut durch.

Wir ersetzten das kühlende Bier durch eine Anzahl ziemlich steifer heißer Getränke mit wärmender Alkoholseele.

Allein der Herr Herausgeber dieses unseres Alanya-Boten  mokiert sich über die sommerlichen Temperaturen, die man immerhin an der türkischen Riviera seit Jahr und Tag gewohnt ist und bezeichnet die Jahreszeit der all-inclusive- und anderer Urlaubsgäste – eben als – na ja, siehe weiter oben; man traut sich gar nicht mehr, die Umkehrung der Auffassung von Witterungsverhältnissen noch ein weiteres Mal zu erwähnen.

Aber falls es irgend jemanden interessiert, selbst im deutschen Norden ist  - Allah sei es gedankt -  dieses „Sauwetter“ seit einigen Tagen angekommen – und wir schwelgen darin. So lange es eben geht und die gewohnten Tiefdruckgebiete vom Atlantik unsereinem endlich wieder die Wolken über den Himmel schieben und es kernig abregnen lassen über Gerechte und Ungerechte und man die langen wolligen Ärmel der in Alanya von diesen so unaufdringlichen Verkäufern und Überredern weit über die Hände zieht und sich die Fingerchen wärmt. Denn dann haben wir wieder „schönes Wetter“ – und haben alle Mühe, täglich unser Tellerchen leer zu essen, damit es altem Volksglauben, eingetrichtert in fernen Kindheitstagen, auch mal wieder so schönes Wetter wie eben in Alanya kriegen. Schmeiß´ die Klimaanlage, die neue an, lieber Alanyabotenherausgeber und bewahre einen kühlen Kopf. Aopropos Kopf: Kopf hoch, Ahmet, ich komme bald wieder! Nur wer die Sehnsucht – eben nach türkischem Rivierasauwetter kennt – weiß, was Hund und Herr derzeit leiden.

- ho

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